Artists & Theorists TellTales 2017

Andrej Fjodorovitsch Bill *1990 in Kasachstan (ehm. Sowjetunion)

lebt und arbeitet als Wirtschaftswissenschaftler und Schriftsteller in Köln.

Andrej Fjodorovitsch Bill beschäftigt sich mit der Dominanz der Grenznutzenschule über die Arbeitswerttheorie und sucht nach dem Mehrwert für die Gesellschaft. Begleitend zum Film von Harun Farocki führt er in seinem Vortrag in beide ökonomischen Überlegungen ein und deckt aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht die Entstehung von Ungleichheit, durch die Produktionsweise, auf.

Bill treibt die Struktur der Gesellschaft um. Zentral dabei sind Begriffe wie Ausbeutung, Wert, Preis, Zeit und Arbeit. Anhand dieser macht er deutlich, wie unterschiedliche Geschichtssprechungen über die Produktionsweisen performativ die Sicht auf das das Bewusstsein bestimmende Sein des Menschen beeinflussen, und welche Entwicklungen damit einhergehend einen modernen Imperialismus begünstigen.

  • Vortrag Arbeitswerttheorie am 13.07.2017 um 21:00 im Alten Rohrlager //  40 min.

 

Aylin Tarasli *1984 in Deutschland

lebt und arbeitet in Mainz. Sie ist Amerikanistin, Turkologin und Pädagogin. Sie ist in Jugendzentren und in der Migrationsintegration tätig und beschäftigt sich mit Amigurumi. Für uns stellt sie herrlich bunte Häkelvulven her, die es im Kiosk zu kaufen geben wird.

 

Benjamin Breitkopf *1986 in Deutschland

Der Essayfilm von Benjamin Breitkopf zeigt auf drei Kanälen eine Suche nach Identität. Ort hierfür ist die Ukraine. Sie ist ein Teil der Welt, in dem zurzeit sehr deutlich wird, dass Territorium, Religion und Arbeit in engster Verbindung mit Nationalität und Identifikation stehen.

Breitkopf begab sich 2014 in das Land, um den gerade eskalierenden Konflikt filmisch zu dokumentieren. Als er sich schließlich in einem apokalyptischen Szenario wieder fand, wurde schnell klar, dass eine reine Dokumentation unmöglich ist, denn diese revolutionäre Geschichte besteht aus vielen Erzählungen und Interessen. Trotz der politischen Wirren, der radikalen Parolen und der internationalen Aufmerksamkeit, müssen für den nächsten Winter Kartoffeln gepflanzt werden, auch wenn noch unentschieden ist, in welcher Währung sie auf dem Maidan verhandelt werden.

  • Once you have no horse, then you do not know the way // 2014 // Video // 22:00 min.

 

Dialog sind Antonia Stäcker *1995 in Deutschland und Emily Wittbrodt *1994 in Deutschland

leben und arbeiten als Tänzerin bzw. Musikerin in Essen. Künstlerin-Sein, Biografie und eigenes Leben sind Themen, die zusammen mit den Schlagworten Neutralität, Offenheit und Durchlässigkeit oft nicht kombinierbar sind und zu Erwartungen und Ansprüchen anwachsen. Im Stück wird vom Lebensprozess eines unbeschriebenen Wesens erzählt, das sich neben, zwischen, unter und über den gesellschaftlichen Normen schließlich doch von ihnen mitreißen lässt und sich dabei immer weiter von seiner Identität entfernt. Wie kann es wieder zu seinem Wesenskern gelangen? Ein Tanzstück in drei Szenen.

  • Performance: When you give water // 2017 // Tanz und Cello

 

Edin Bajrić *1980 in Bosnien/Herzegowina

lebt und arbeitet als bildender Künstler und Dozent in künstlerischer Gestaltung in Hannover. In der Videoarbeit Passport erzählt er eine dreizehn Jahre andauernde Episode aus der Geschichte seiner Familie: von der Flucht aus Bosnien bis zum unbefristeten Aufenthalt in Deutschland. Als Markierung der verschiedenen Etappen dieser langen Zeit und als Aufhänger der Erzählung dienen die Reisepässe der Familienmitglieder. Bajrić durchblättert sie chronologisch und kommentiert die Staatsdokumente mit Familienfotos. Hier lässt sich, wie aus einem Tagebuch, der Status der Familie vor dem Staatsapparat ablesen. Über die Dauer wird das Ausmaß deutlich, in dem Menschen in behördliche Wirrungen verstrickt werden, denen gegenüber sie machtlos sind.

  • Video: Passport // 2008 // Video

 

Eva Christina Zeller *1960 in Deutschland                  

lebt und arbeitet als freie Autorin und Dozentin in Tübingen. In ihrem Kurztext berichtet Eva Christina Zeller auf humorvolle Weise von ihrem beruflichen Werdegang. Sie schwankt zwischen parataktischer Aneinanderreihung und ansprechenden Endlossätzen, um von Arbeit, Jobs und dem Rest zu erzählen. Zeller spricht von dem Traum, endlich das zu tun, was man möchte und davon sein Leben bestreiten zu können. Sie zeichnet ihren skurrilen Weg nach und lässt auch den Alptraum arbeitslos zu sein nicht aus. Es geht um Freiheit und Unabhängigkeit. Was ist Arbeit, ist die Frage.

  • Lesung am 07.07.2017 20:00 im Alten Rohrlager: An die Arbei

 

Eva Königshofen *1992 in Deutschland und Sarah Sandelbaum *1990 in Deutschland

leben und studieren in Gießen Angewandte Theaterwissenschaften und Soziologie und Ästhetik in Frankfurt am Main.

„ASMR“ steht abgekürzt für „Autonomous Sensory Meridian Response“ und beschreibt eine sinnliche Erfahrung, ein Kribbeln im Körper, das durch verschiedene Sinnesreize visuell und auditiv ausgelöst werden kann. Eva Königshofen und Sarah Sandelbaum gehen den Fragen nach, wie (digitale) Intimität in ASMR-Videos produziert wird und in welchem Zusammenhang diese zur heterozentristischen Geschlechtslogik, prekärer (Lohn-)Arbeit und Sex im „pharmapornographischen“ Kapitalismus (Paul B. Preciado) steht.

  • Vortrag am 07.07.2017 21:00 im Alten Rohrlager: Hello, you called me, and now i‘m here, what‘s wrong? // 30 min.

 

Fides Schopp *1984 in Deutschland

lebt und arbeitet als Künstlerin und Gestalterin in Mannheim. Im Hörstück Tamhie wird, anhand unterschiedlicher Erzählperspektiven, Migration als Prozess beschrieben. Abwechselnd sprechen die zwei Protagonist*innen von Identität, Rassismus, Daheim-Sein und unterwegs. Ihre Sprache als Medium ist einmal beschwingt und akzentuiert, das andere Mal muttersprachlich und monoton. Wie artikuliert sich hier etwas? Fides Schopp legt den Text als Collage an und gewährt den Hörenden selbstständige Zugänge zum Gehörten. Nicht alles wird erzählt. Es verbleiben Lücken, in denen die Rezipient*innen ihre eigenen Biografien einflechten können.

  • Hörstück: Tamhie // 2016 // Audio (Kulturrepublik und Tritonplatz)

 

Franziska Kabisch *1990 in Deutschland

lebt und arbeitet zwischen Wien und Hamburg, Bildender Kunst und Film, Institutionen und aktivistischen Kontexten, Lust und Krise. In dem mehrteiligen Projekt „Deklinationen“ beschäftigt sich Franziska Kabisch mit der Produktion von Wissen und den Normen sowie Bedingungen, die daraus resultieren und sich immerfort selbst reproduzieren: Wie passen sich Körper und Sprache dem Wissensapparat an? Welches Bild von Wissen und Wissenschaftler*innen haben wir? Und vor allem: Was können wir ändern? Ein Teil ihrer Arbeit ist der Kurzfilm „Can I inherit my dead parents‘ debts?“ (Kann ich die Schulden meiner toten Eltern erben?), in dem Kabisch mit Imitation, Aneignung und Veränderung spielt. Sie kopiert die Posen historischer Wissensfiguren und erzählt vom Konflikt zwischen Kopie und Kritik in wissenschaftlichem Arbeiten. Am 15.07 gibt es die Möglichkeit mit der Künstlerin nach einem gemeinsamen Screening über das Kopieren als Strategie zu diskutieren.

  • Kurzfilm: Deklinationen (Can I inherit my dead parents‘ debts?) // 2016 // Video // 27:50 min.
  • Gespräch mit Screening des Kurzfilms am 15.07.2017 19:00 im alten Rohrlager: The copy of a copy of a copy without original – Kopieren als Strategie

 

Harun Farocki *1944 – 2014 Tschechoslowakei (ehm. Sudetengau)/Berlin

lebte und arbeitete als Filmemacher und Dozent in Deutschland. Harun Farocki vergleicht in seinem Film die verschiedenen Produktionsweisen eines der ersten in Massenproduktion hergestellten Güter: dem Ziegelstein. Dazu betritt er auf der ganzen Welt Ziegelbaustellen auf denen neue Räume entstehen, die das Leben organisieren und Beziehungen stiften. In vollautomatisierten Produktionen und vereinzelter Handarbeit zeigt sich eine Geschichte von Zeitlichkeit, die von Pausen und Beschleunigung erzählt. Quer durch die Kulturen beobachtet Farocki den Arbeitsprozess. Ohne Kommentar. Ohne Urteil. Allein zum Vergleich und nicht im Vergleich.

  • Film: Zum Vergleich // 2009 // 61:00 min.
  • Screening am 13.07.2017 um 19:00 im Alten Rohrlager

 

Henna Räsänen *1986 in Finnland

lebt und arbeitet als Comic Künstler_in und Event Organisator_in in Berlin. Henna Räsänen organisiert für TellTales einen praktischen Comicworkshop, der sich auf die kritische Diskussion von Körpernormen und Schönheitsidealen konzentriert. Was empfinden wir als schön, normal, attraktiv oder begehrenswert und warum? Welche Vorstellungen hiervon liefert uns die Gesellschaft und wie sind wir von diesen abhängig, ob wir wollen oder nicht? Wie erreichen wir Veränderung? Der Workshop ist für absolute Anfänger*innen und für Menschen mit zeichnerischer Erfahrung gleichermaßen geeignet. Von einem Zeichen-Warm-up über das Zeichnen und Diskutieren in der Gruppe und auf einem Blatt bis hin zu fertigen Comic-Strips bietet der Workshop eine spannende Auseinandersetzung zum Thema Body Positivity.

  • Workshop am 09.07.2017 im Alten Rohrlager: No Filter – A practical Comic Workshop on Body & Beauty Norms

 

Jandra Böttger *1995 in Deutschland

lebt und arbeitet als Kunstwissenschaftlerin, Kunstvermittlerin und Kommunikations-designerin in Karlsruhe. Der Streit um die Begriffe Wahrheit und Objektivität in den Natur- und Geisteswissenschaften ist schon alt. Die Grenze zwischen Realität und Fiktion ist bei genauerem Hinsehen verschwommen, so auch die Grenze zwischen Fakten der Wissenschaft und subjektiven Urteilen der Kunst. Die Infragestellung von Realitätsbegriffen und die Relativierung von Gültigkeitsansprüchen können für Unsicherheit sorgen. Durch die Stärkung eines Fiktionsbewusstseins könnte der Umstrukturierung des wissenschaftlichen Feldes mit Selbstvertrauen begegnet werden.

Jandra Böttger stellt die Idee eines lustvollen Verhältnis zur Fiktion vor, das dieser einen festen Platz in der Realität einräumt. Mit der Fiktion kann gerechnet werden, während sie immer die Möglichkeit des unvorhersehbaren birgt.

  • Vortrag am 09.07. um 18:00 in der Kulturrepublik: Von der Fiktion zur Theorie und zurück. Über das kritische Potential des Fiktionsbewusstseins

 

Johanna Ziebritzki *1992 in Deutschland

lebt und arbeitet als Theoretikerin in Karlsruhe. Sie erzählt in ihrer Session die Geschichten neben der Geschichte. Sie öffnet eine Schatzkiste, gefüllt mit verschiedenen Materialien, so macht sie Historie erfahrbar. Plötzlich befinden wir uns mitten in den Biografien der Kulturschaffenden des letzten Jahrhunderts. Da sind zum Beispiel Nackttänzerinnen und politische Liedermacherinnen, die sich den gesellschaftliche Normen widersetzen. Allerdings haben es diese Persönlichkeiten trotz ihrer Bekanntheit zu Lebzeiten in keine geläufige Geschichtsschreibung geschafft. Der Kanon schließt sie aus. Können wir in unsere eigenen Archive gehen und eigene Schätze bergen?

  • Vortrag am 08.07.2017 um 19:00 im Alten Rohrlager: Ein theoretischer Leckerbissen

 

Laura Fröhlich *1990 in Deutschland

lebt und arbeitet als Künstlerin und Kunstdidaktin in Stuttgart. Bei dem experimentellen Workshop mit dem Titel Doing Choreographer sind erwachsene Teilnehmer*innen eingeladen sich in einem leeren Raum einzufinden, in dem ein Kind oder Jugendliche*r seine eigene Choreographie umsetzen darf. Die erwachsenen Darsteller*innen illustrieren die Narration und folgen der Phantasie ihrer Choreograph*innen. Dieser Versuch ermöglicht es, ein hierarchisches Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern bzw. Jugendlichen für einen bestimmten Zeitraum aufzubrechen und Kontrollmacht neu zu verteilen. Somit werden die Jüngsten der Gesellschaft als entscheidungskompetent wahrgenommen und ihnen wird Raum geschaffen, ihre eigenen Geschichten durch die Choreographie zu erzählen. Die Choereographie wird anschließend als Video-Arbeit präsentiert.

  • Workshop am 11.07. und 12.07.2017 : Doing Choreographer

 

Lene Vollhardt *1984 in den USA

lebt und arbeitet als Künstlerin in Berlin. Lene Vollhardt kreiert einen Arbeitsraum, der sich als Plateau präsentiert, auf dem Fitnessskulpturen neben auditiv stimulierenden Videos und Arbeitsmaterialien stehen. Sie reagiert hier auf die Frage, was Arbeit macht oder was sie charakterisiert, mit einem interaktiven Parcours, der ein Arbeitsort der Zukunft sein könnte. Der Schlüsselgedanke geht hierbei auf die Erkenntnis zurück, dass die Memorierungsleistung des Gedächtnisses mit Bewegung zusammenhängt und die Leistung steigert. So dürfen die Besucher*innen Vollhardts Geräte selbst ausprobieren. Sie werden Teil der Installation und erarbeiten sich die künstlerische Arbeit selbst.

  • Installation: Proposition for a work space // 2016 // Holzplateau, 2 Fitness-Skulpturen, Sound, ASMR-Video, Fernseher // Maße variabel

 

Leonie Licht *1991 in Deutschland

lebt und arbeitet als Künstlerin und Theoretikerin in Mainz. Die Installation von Leonie Licht spielt mit einem antiquierten Medium der Wissensvermittlung. Der Tageslichtprojektor, lange aus der Lehre bekannt, ist Sinnbild kunsthistorischer Betrachtung. Hier projiziert er in spitzem Winkel eine Abbildung des Gemäldes „Die Gesandten“ von Hans Holbein d. Jg. aus dem Jahr 1533. Das Bild bezeugt durch die Darstellung der Navigationsinstrumente, Vermessungsapparate und des Kartenmaterials den Beginn einer Kolonialgeschichte, die sich um Ausbeutung, Reichtum und Macht windet. Gleichzeitig fasst es diese in einem Symbol omenhaft zusammen: Dem Totenkopf. Währen der Rest seltsam verzerrt und seitlich gekippt ist, erscheint der Schädel eindeutig lesbar auf der Wand.

  • Installation: Gesandte // 2017 // Tageslichtprojektor, Folie, Papier // Maße variabel

 

Mona Louisa-Melinka Hempel *1988 Deutschland/Chile

lebt und arbeitet als Künstlerin, Performerin, Tänzerin und Produzentin in Leipzig. Mona Louisa-Melinka Hempel ist Tänzerin, Performerin, ein selbstbewusster Körper, der sich unter den Blicken Fremder gegen unsichtbare Gegner*innen wehrt. Indem sie die Bewegung des imaginierten Gegenübers adaptiert, ihr aus dem Weg geht, sie verhindert oder trifft, zeigt die Künstlerin einen Kampf und gleichzeitig ein Versteckspiel. Wie ein Tier im Wald kauert Hempel unter einem olivgrünen Fallschirm oder geht in Angriffsposition. Sie wickelt sich in das riesige Stoffgebilde ein, zerknüllt und trägt es. Hierbei steht ihr Handeln sinnbildlich für die Erfahrung von Ausgrenzung und Determinierung sowie dem Suchen nach Identität. Konflikte von alltäglichem Rassismus und einer problematischen Positionierung werden sichtbar.

  • Performance am 15.07.2017 um 21:00 in der Kulturei: HERAKLES2 or OVER-DETERMINED (WALD TIER trilogie phase1) by danaehelios a.k.a cobratheater.cobra // 30 min.

in Zusammenarbeit mit Calendal Klose *1994 Deutschland, lebt und arbeitet als Performer, Regisseur und Produzent in Gießen

Gefördert durch:

264.0

 

Muskulenz sind Lukas Renner *1994 in Deutschland und Mathis Ruffing *1994 in Deutschland

leben und arbeiten als Theaterwissenschaftler bzw. Musiker in Berlin. Als Performer-Duo wollen sie einen kritischen Kontrapunkt gegen überformte Männlichkeit setzen. In einem performativen Workshop beschäftigen sie sich mit Körperlichkeit und Arbeit. Hier werden als typisch männlich codierte Gesten und Posen ausfindig gemacht und mit Humor und Selbstironie dekonstruiert. Mit Hilfe eines Subliminalprogramms wird den Teilnehmer*innen mittels Bewegung und Musik muskulente Selbstreflexion ermöglicht. Die Absurdität einer überzogenen Männlichkeitsrhetorik ermöglicht den Blick auf Gender als sozial generierte Bedeutungskategorie. Das gesamte Programm ordnet sich in einen Diskurs über Weiß-Sein und Männlich-Sein ein und öffnet ihn für alle Teilnehmer*innen.

  • Workshop am 15.07.2017 um 21 Uhr im Alten Rohrlager: Muskulenz

 

Nadine Kolodziey *1988 in Deutschland

lebt und arbeitet als Illustratorin und Grafikdesignerin in Berlin und Frankfurt. Sie illustriert in drei Teilen eine kulturhistorische Entstehungsgeschichte der Erde. Dabei werden Wahrheiten in Frage gestellt, neue Codes zur Entschlüsselung geschrieben und der Erzählstrang episodisch aufgelöst. Kolodziey spielt hierbei mit Leserichtungen, Assoziationsketten sowie bekannten und neuen Symbolen. In ihrem phantastischen Graphic-Novel-Stil zeigt sie eine vielschichtige Geschichte unserer Welt und entführt in die Tiefen der Märchen eines Ursprungs. Sowohl das analoge Heft sowie das Video dazu wird es zu sehen geben.

  • Comic: Am Anfang. Die Nacht. Nyx. // 2016 // Drei DIN A 5-Hefte und Video

 

Ofri Lapid *1983 in Isreal

lebt und arbeitet als Künstlerin und Theoretikerin in Berlin. In der partizipativen Lecture Performance von Ofri Lapid stehen Texte und Textlichkeit im Mittelpunkt. Die Lesung handelt von der Geschichte Sankamas aus der Volksgruppe der Piro, der zu Beginn des 20. Jhd. am Amazonas lebte und mit der Behauptung zu Lesen seine kolonisierte Umgebung spöttisch kommentierte. Lapid gebraucht dieses Beispiel um auf die Dominanz von Texten und Rationalität in europäischen und nordamerikanischen Diskursen hinzuweisen und ihr auf mythisch, märchenhafte Weise zu begegnen. In der interaktiven Performance sind die Teilnehmer*innen aufgefordert selbst zu sprechen. Sie bewegen sich durch einen Raum, der gespickt ist mit Material, das anregt vorzulesen oder ganz frei zu imaginieren.

  • Lectureperformance am 08.07.2017 um 21:00 in der Kulturei: On the Surface of Text: A reading session with props

 

Rishin Singh *1985 in Malaysia

lebt und arbeitet als Künstler in Berlin. Die Fotoserie Knowing all by the mastery of one bezieht sich auf einen Essay des Linguisten Pierre Besnier, in dem von der Vereinigung aller Sprachen unter dem Wissen einer einzigen, die Rede ist. Singhs Fotos zeigen im wortwörtlichen Sinn die Schwierigkeit, eine neue Sprache zu lernen und sich somit in der Fremde zurechtzufinden. Er baut Barrieren in den Mund, die die Zunge am Sprechen hindern und jegliche Artikulation blockieren. So werden aus physischen Grenzen emotionale und umgekehrt.

  • Fotoserie: Knowing all by the mastery of one // 2016 // Print // 59,4 x 84,1 cm

 

Sandi Escobar *1980 in den USA

lebt und arbeitet als Künstlerin und Kunstprofessorin in Sacramento, Kalifornien. In ihrer Arbeit bezieht sich Sandi Escobar auf ein vermeintliches Kollektivgedächtnis, welches sie über Begriffe und Wendungen in englischer sowie spanischer Sprache artikuliert. In Papier geschnitten hängen sie an dünnem Draht als Geflecht mitten im Raum und lassen einen Durchblick zu. Denn die einzelnen Glieder der Wand aus Papierschnitten sind durchlöchert wie Platzdeckchen oder schmiedeeiserne Gartenzäune kolonialer Villen. Escobar erinnert an die Historie amerikanischer Migration und verknüpft sie mit ihrer eigenen Biografie. Der Papercut zeigt sich filigran und verspielt, besitzt aber die Schlagkraft der Fragen nach kultureller Assimilation und Repräsentation.

  • Installation: Papercut-Pieces aus Generic Memories // 2016-17 // Papier, Draht // Maße variabel

 

Sofi Utikal *1987 in den USA

lebt und arbeitet als Künstlerin und Performerin in Wien. Sie organisiert zusammen mit Teilnehmer*innen der PoC-Hochschulgruppe Mainz einen BPoC-Zine-Workshop, in dem sie anbietet, das Thema Mothers, Motherlands & Mothertongues zu bearbeiten. Bis zum Workshoptermin sammeln die Teilnehmer*innen Material wie zum Beispiel Gedichte, Songtexte, Briefe, Dialoge, Comics, Zeichnungen, Fotos, Collagen und Essays rund um das Thema, das anschließend im Workshop als Ausgangspunkt für das eigene Schreiben genutzt werden kann. Durch diese Mischung inspiriert, werden neue Inhalte produziert und anschließend in einem Zine-Format zusammengeführt. Die Teilnehmer*innen des Workshops befüllen mit ihrem selbstkreierten Zine ein Fach des Festival-Kiosks, der sich in der Mainzer Innenstadt befindet. Die Zines können dort gegen Spende erworben werden.

  • Workshop am 05.07. bis 07.07.2017 // offene Werkstatt jeweils von 14 – 19 Uhr: BPOC-Zine // artistic research

 

Vicky Stratidou *1987 in Deutschland
lebt und arbeitet als Künstlerin und Kulturschaffende in Mainz. Was passiert eigentlich mit all den auf Kommission gekauften Magazinen, die in einem Magazine-Store nicht verkauft werden? Muss man die schweren Kisten alle selber wieder zur Post tragen und zurück senden? Weit gefehlt. Als Nachweis über den Nicht-Verkauf der Magazine verlangen die Verlage lediglich das abgerissene Cover der Zeitschriften, der Rest ist ohnehin „Müll“ und wandert ins Altpapier. Durch ihre Tätigkeit in ihrem eigenen Magazinstore One in a Million in Mainz verfügt Vicky Stratidou über eine Vielzahl an coverlosen und herrenlosen Ma-gazinen. Diese werden für unser Festival mit einem neuen universellen TellTales-Cover versehen und können im Kiosk, zusam-men mit dem überraschenden Inhalt, für kleines Geld erworben werden.

 

Walter Ego *1982 in Österreich

lebt und arbeitet als Künstler und Prof. für Bildnerische Emanzipation in Wien. In seiner Performance ist Walter Ego Viele: Er legt sich nicht fest auf eine Erzählung, eine Geschichte, eine Biografie. Walter Ego stellt sich infrage und die anderen als andere. Er spricht Englisch, um nicht aufzufallen, um seine Herkunft zu verschleiern oder sich eine fremde Identität anzueignen. Dabei nimmt er Bezug auf Erwartungen an Männlichkeit, Künstler-Sein und die Verletzlichkeit, die darin liegt zu glauben, nicht ausreichen zu können. Auf humorvolle Weise verknüpft Walter Ego in seinen Performances das Nicht-Können mit Viel-Wissen über Gesellschaft und Welt im Großen wie im Kleinen.

  • 14.07.2017 um 20:00 im Rohrlager: I Have no Problem with my Problems // performative Lesung aus seinem Buch „Ich bin ein anderer / I am an Other“ (ca. 60 min.)
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